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In der aktuellen Ausgabe der Zeit wird festgestellt, dass die Antwort auf die Frage, wer uns heute Werte und Moral vermittelt, im Bilderkonsum zu finden ist. Die These lautet, dass wir unsere Helden und Vorbilder vor lauter Sternchen und Prominenten in der wachsenden Anzahl der Kommunikationskanäle verloren haben. Orientiert wird sich deshalb an der direkten Umgebung oder an unserer eigenen Person, die wir stets von neuem hinterfragen. Doch vermisst wird „eine Maxime für richtiges Handeln, die eher aus uns selbst kommt als aus einer abstrakten Idee“.

Folgendes sang Judith Holofernes mit ihrer Band bereits 2003:

Willkommen in der Zeit Helden sind bereit seid ihr soweit
Heldenzeit Heldenzeit seid ihr soweit
Hat irgendwer gesagt es wäre Zeit für Helden?
Heldenzeit
Willkommen in der Zeit Helden sind bereit seid ihr soweit
Heldenzeit Heldenzeit seid ihr soweit
Wir kommen um die anderen Helden abzumelden

Die Helden trafen damit ins Schwarze und wurden Stars, die mit ihrem Hit Denkmal gleichzeitig zu verstehen gaben, dass sie vom Starkult nicht viel halten. Sie riefen damit zu einer Veränderung auf, in der wir heute mittendrin stecken: Das eigene Handeln steht im Mittelpunkt, doch es ist uns lieber, wenn andere mitmachen, statt uns für das Erreichte zu bejubeln. Wir können heute mehr denn je unsere eigenen Helden sein, und zwar in unseren selbst gewählten Netzwerken. Die Mitglieder dieser Communities benutzen dieselben Kommunikationskanäle, hören ähnliche Musik, schauen ähnliche Filme und verfolgen ähnliche Ziele. Wir schaffen uns mithilfe unserer Medienauswahl dieselbe Lebenswelt, greifen deshalb beim Smalltalk auf dieselben Themen zurück, urteilen vor einem ähnlichen Erfahrungs- und Wissenshintergrund.

Diese Art gemeinsamer Kultur schafften in der Vergangenheit Mainstream, öffentlich-rechtliches Fernsehen und Religion. Doch seit die Programmauswahl in jeder Hinsicht unüberschaubar und Glaubensfreiheit Realität geworden ist, wird der Werteverfall beklagt. Richtig. Denn mit einem gemeinsamen Informationshintergrund, der von allen bei allen zur gleichen Zeit erwartet werden konnte, gab es feste gemeinsame Regeln. Diese Informationskanäle können wir heute frei wählen, uns unsere bevorzugte Sicht der Dinge aus dem Angebot herauspicken. Das verunsichert zunächst und wir wissen nicht mehr, welche der vielen Meinungen denn nun die richtige ist. Und während der Suche nach dem, womit es uns am besten geht und worin wir uns wiederfinden, schauen wir in so manche Nische rein. Von Vorteil, denn durch das Erkennen von Unterschieden lernen wir uns und unsere Gemeinsamkeiten kennen.

Wir leben nahezu problemlos in verschiedenen Welten und Identitäten. Doch auf Dauer wird das ständige Wechseln zwischen Teilpersönlichkeiten zu anstrengend. Wir suchen unsere eigene Identität und andere, die tun, was sie wollen.

Hilfreich fürs Finden gemeinsamer Werte (natürlich neben dem Abgleich der subjektiven ewigen Helden) ist ein Blick in die Konsumgewohnheiten der neuen Bekannten: Mag ich die Inhalte, die der Unbekannte empfiehlt? Können wir gemeinsam Fernsehen, Musik hören oder Filme schauen und dasselbe verstehen? Marks letzte Empfehlung ist bei mir jedenfalls gut angekommen.

Es ist also alles noch da. Die Welt dreht sich immer noch, wir laufen drauf rum und die Vergangenheit bleibt gültig. Keine Panik also!


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