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Der Unterschied, das sind die Macher selbst.
“Status wird im Moment definiert als das Vermögen, möglichst viel überschüssiges Gewicht durch den Stadtverkehr zum Kindergarten zu fahren.”
Qype-Gründer Stephan Uhrenbacher im Interview auf deutschestartups.de
Das war lange schon überfällig: Nicole Simon schreibt auf Blognation in englisch über die deutsche Internetszene. Viel Erfolg!
Themen liegen in der Luft, wenn man merkt, dass andere, in diesem Falle Klaus Eck, schneller waren: E-Mails kosten Zeit und bringen wenig. Warum eigentlich?
Zum einen ist da natürlich das schiere Mengenproblem. Die Mühe, aus den hunderten Mails täglich die wenigen wirklich wichtigen herauszuschälen, nimmt weiter zu. Da ist nicht nur Spam, der wahrgenommen und vernichtet werden will, sondern vor allem auch die ausufernde “Zur Information”-Kultur. Unschuldige Menschen werden Zeugen vollkommen unwichtiger Konversationen, deren Inhalt sie alleine deswegen wahrnehmen sollen, weil sie ja auf “Carbon Copy”, also “CC” gesetzt sind. Und drittens sind da die netteren Dinge, die aber auch Zeit rauben, also eher in Richtung privater Gespräche gehen. Klaus Eck verweist zurecht auf den Zeit-Artikel “Fluch der Unterbrechung”. Wer unterbrochen wird, wendet sich nach dieser Unterbrechung erst einmal für rund 25 Minunten anderen Aufgaben zu, bevor er dort weitermacht, wo er inhaltlich vorher eigentlich war. Und wir werden alle 11 Minuten von E-Mails unterbrochen. Sie sind also Gift für die Produktivität.
Blogs
Doch es gibt noch einen anderen Grund gegen die Mail: Die Kultur der Öffentlichkeit. Was ich einem erzähle, ist sicher für viele andere auch interessant, die mich kennen und meine Meinung (hoffentlich) schätzen. Warum also nicht alle, die es interessiert, daran teilhaben lassen? So wie dieser Text zum Beispiel. Den könnte ich allen meinen Kontakten per Mail schreiben, sie bei der Arbeit unterbrechen und mit Gedanken verwirren, die derzeit nicht die ihren sind. Oder ich kann warten, bis sie sagen: Mal sehen, was der Pohlmann so treibt, ich geh mal auf seinem Blog. Und dann lesen sie, dass ich mir Gedanken über Mails und die Alternativen mache. Wer keinen dieser Gedanken verpassen will, abonniert sich die Beiträge über das sog. RSS auf eine persönliche Website und muss sich fortan nicht einmal die Mühe des Surfens machen.
Wer gerne den öffentlichen Diskurs mag, also nichts dagegen hat, dass sich andere einschalten, weil das Gespräch so lebendiger und facettenreicher wird, der sollte über einen eigenen Blog nachdenken. Hier kommt all das hin, was man selbst so interessant findet, dass man es schriftlich festhalten möchte. Blogs funktionieren wunderbar als eigene Gedankenstütze und Gesprächsangebot für Dritte, die an den gleichen Themen hängen wie man selbst. Wer was zu sagen hat, bloggt. So einfach ist das.
Instant Messenger
Den Kontakt mit seinen Freunden und Bekannten halten sog. “Instant Messenger” (IM), für mich eine Art schriftliche Telefonate. Ich nutze Google Talk oder Skype. Hier kann ich nur Leute ansprechen, die mich als Kontakt bestätigt haben. IMs sind lustig, weil richtig in Echtzeit funktionieren. aber auch zeitraubend. Man sollte sie sparsam einsetzen, dann machen sie aber auch ungleich mehr Spaß als E-Mails.
Der dritte im Bunde, ganz frisch, aber schon nicht mehr wegzudenken: Twitter. Twitter ist eine Art öffentliche SMS. Hier schreibt man kurz auf, was man gerade macht. Auch hier werden in der Regel nur die Kurzmeldungen derjenigen abonniert, die für einen selbst interessant sind. Wenn man also gerade wissen will, was einer von diesen Leuten macht, der schaut kurz bei Twitter rein, gibt selbst eine Wasserstandsmeldung ab, kann auch hier ein wenig plauschen (”chatten”) und widmet sich danach wieder dem Eigentlichen. Twitter ist größtenteils harmlos, manchmal informativ und überraschenderweise auch schonmal richtig nützlich. Beispielsweise ist es beruhigend zu lesen, wenn jemand kurz meldet, dass seine Jordanien-Reise gut verläuft.
Social Bookmarks
Ein weiterer anerkannter Weg, unkompliziert über seine Themenlage öffentlich zu berichten, sind sog. “Social Bookmarks”. Mit diesen Diensten werden interessante Lesezeichen nicht mehr auf dem eigenen Computer vergraben, sondern für alle sichtbar und nachrecherchierbar. Bekannt sind der US-Dienst del.ico.us und der ursprünglich einmal deutsche, aber längst auch international agierende Dienst Mr. Wong. Wenn Sie dort einmal einen interessanten Menschen entdeckt haben, ist es eine Freude, dessen Fundstücken nachzugehen. Web-affine Menschen veröffentlichen den Links zu ihren Bookmarks gleich auf der eigenen Website.
Social Networks
Ein in meinen Augen spezieller Fall sind die sog. Social Networks wie Myspace, Facebook, StudiVZ oder Xing. Ganz klar sind sie die Gewinner der zunehmend öffentlich stattfindenden Diskurse, vor allem der privaten Alltäglichkeiten. So ist StudiVZ mit 2,5 Mrd. Seitenabrufen im Mai 2007 erstmals die meistgenutzte Website in Deutschland. Dies war eigentlich schon seit immer T-Online.
Ich nutze diese Dienste eher mäßig bis gar nicht und allerhöchstens als Adressbuch und eigene digitale Visitenkarte. Mir sind alle diese Dienste zu proprietär. Wer sich aber gerne in einem einheitlichen Rahmen mit Gleichgesinnten austauschen möchte, dazu froh ist, dass er hier in wenigen Minuten eine Profilseite errichten kann, ist auf allen diesen Websites bestens aufgehoben. Und Social Networks sind längst ein Massenphänomen. Alleine Myspace geht auf die 200-Mio.-Mitgliedermarke zu, bei Facebook sind es derzeit um die 30 Mio.
Zusammengefaßt: Kommunikation wird immer situativer, die Kommunikationskultur im digitalen Raum facettenreicher. Wer sich den Trends verschließt, schließt sich von Gesprächen aus. Mitmachen ist kein Muss, Mails aber nicht die Lösung für alles. Klar ist auch, dass die Mail nicht ausstirbt, sondern “nur” an Bedeutung verliert.
“Das müssen wir hier nicht in ethischer Breite ausdiskutieren”
Dass Nutzer unentgeldlich beträchtliche Werte schaffen, läßt sich jetzt auch in Zahlen messen - das aber wiederum mal wieder nur für den US-Markt. Bis zum Jahr 2011 sollen von Nutzern publizierte Inhalte, vor allem Netzwerkprofile, Blogs, Videos und Fotos, über 4 Mrd. Dollar Werbegelder anziehen. Zum Vergleich: Der gesamte deutsche Werbemarkt ist rund 20 Mrd. Euro groß (also etwa 26 Mrd. Dollar), der amerikanische etwa 100 Mrd. Dollar.
Für dieses Jahr werden 0,4 Mrd. Werbeeinnahmen mit UCG (”User Generated Content”) erwartet. Markführer in Amerika sind YouTube, MySpace, Facebook und Photobucket. Besonders interessant: An den Marken Google und Yahoo geht der Boom derzeit vollkommen vorbei, da nützt es auch nichts, dass Google Qype kopiert.
Bis 2011 werden 95 Millionen US-Bürger eigene Inhalte im Internet publizieren - also jeder Dritte. Letztes Jahr waren dies immerhin schon 64 Mio. Das wäre eine Steigerung von gerade einmal 50 Prozent in fünf Jahren. Das Basisniveau erscheint mir sehr hoch, die Steigerung dafür eher konservativ geschätzt.
Wann endlich haben wir solche Zahlen auch mal für Deutschland oder die EU, das kann doch gar nicht so schwer sein….?
Umsatzgiganten werden dann eher nicht Blogs oder Videocommunities sein, sondern Netzwerke. Das ist die These von eMarketer. Ich stimme zu. Es sieht derzeit so aus, als würde das eigene Netzwerk zum Ausgangspunkt für Informationen werden. Damit stünde Google vor seiner Ablösung als Maßstab der (digitalen) Welt. Wie wichtig Netzwerke werden, zeigt die Öffnung des Netzwerkportals Facebook für Dritte.
Das Umdenken der Nutzer, sich selbst in den Mittelpunkt des Internets zu stellen, hat gerade erst begonnen, aber der Prozess ist mächtig und wird uns noch lange beschäftigen ![]()
Quelle der Zahlen.
Einen schönen Vergleich aller derzeit gängigen Microblogging-Systeme bringt Mashable. Grund ist der erste Auftritt von Pownce, das quasi ein Promi-Bonus dadurch hat, dass der Dienst vom Digg.com-Gründer Kevin Rose stammt und man somit annehmen kann, dass er schnell größere Bekanntheit erlangt. Getestet werden insgesamt neun. Das Ergebnis:
Was um Himmelswillen ist denn jetzt nun wieder Microblogging?
Zur Erklärung: Microblogging-Anwendungen wie die des Marktführers Twitter sind so etwas wie öffentlich geschriebene, für jeden abonnierbare SMS. Sie dienen dazu, seinem Freundes- oder Bekanntenkreis kurze Meldungen darüber abzugeben, was man gerade macht oder wo man gerade ist. Selten was Weltbewegendes, oft in seiner Kürze aber ganz unterhaltsam oder informativ, manchmal sogar hilfreich. Ich beispielsweise habe eine sehr twitter-aktive Kundin, was mir hilft, den richtigen Zeitpunkt abzupassen, wann ein Anruf paßt -und wann nicht.
Der Garten namens Facebook zum Beispiel, sagt Steve Rubel, und verweist darauf, dass sehr viele Informationen in das System fließen, aber kaum etwas heraus - beispielsweise zu Google. Interessanter Text zu den Vor- und Nachteilen geschlosser Systeme am Beispiel des Gramercy Parks in New York. Wer schon mal dort war und vor der verschlossenen Tür stand, sollte den ganzen Text lesen ![]()
Despite the age of openness we live in, Facebook is becoming the world’s largest, and perhaps most successful, walled garden that exists today. The problem, however, lies in this fact - Facebook gives nothing back to the broader web. A lot of stuff goes in, but nothing comes out. What happens in Facebook, stays in Facebook. As Robert Scoble noted, it’s almost completely invisible to Google. You can share only a limited amount of data on your public page - as he has here. That’s fine for many users, but not all.

Achtung. Wer auf der Suche nach iPhone-News ist: Bitte gehen Sie weiter. Es gibt hier nichts zu sehen. Auch sonst geht es hier um keinen Glaubenskrieg. Ganz und gar nicht, ich bin gerade auf Mac umgestiegen. Alles ist gut. Es geht um einen Aspekt, den Christian Jung ins Spiel brachte und der mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf geht. Seine Aussage ist, dass Apple alles richtig macht, was für ihn als Designer seit Bauhaus als Wertekodex gilt. Dass die Produkte allen gestalterischen Ansprüchen genügen - bis auf den einen, den wichtigsten: Gesellschaftliche Relevanz. Ich zitiere mal kurz die Bauhaus-Stiftung in Dessau:
Wie kaum eine andere Institution hat sich das Bauhaus innerhalb einer krisenhaften Situation der Industriegesellschaft der Frage nach der Beherrschbarkeit des Modernisierungsprozesses mit den Mitteln der Gestaltung gestellt. Die Gründer des Bauhaus wollten die Trennung von Kunst und Produktion aufheben durch eine Rückbesinnung auf handwerkliche Traditionen als Grundlage allen künstlerischen Schaffens. Sie wollten vorbildliche Gegenstände und Räume für eine künftige humanere Gesellschaft schaffen.
Bauhaus ist also bis heute Leitmotiv für die Verbindung von Ästhetik, Technologie und Nutzen. Zurück zu Apple. Ganz sicher ist das Unternehmen seit Jahrzehnten wegweisend in Sachen Form, Handhabbarkeit, Haptik und Bedienbarkeit von Computern. Nur in einem Punkt hapert es: Apple produziert Ein-Personen-Produkte. Wenn man darüber nachdenkt, ist es eigentlich noch schlimmer: Apples Produkte isolieren den Nutzer. Besonders deutlich wird dies beim iPod, der sogar von autistisch versunkenen Tänzern beworben wird. Wer den Kopfhörer aufsetzt, ist von seiner Umwelt isoliert. Soziale Relevanz sieht anders aus. Klar kann man einwenden, dass es am Kopfhörer liegt und nicht an Apple. Oder man kann man sagen, dass internetfähige Computer, zu denen alle Macs nunmal gehören, schon alleine dadurch sozial sind, dass sie Menschen digital verbinden. Aber das Gerät selbst bleibt in seiner realen Umgebung immer einem einzelnen vorbehalten. Alle Geräte von Apple sind Einzelanwendergeräte. Es geht auch anders. Beispielsweise Computerspiele, allen voran die Wii von Nintendo, mit der man zusammen vor dem Monitor steht, spielt und schwitzt.
Was für Apple gilt, gilt natürlich auch für jeden anderen PC, jeden anderen Mp3-Player. Aber gerade von Apple möchte man eigentlich mehr sehen als das nächste Hedonistengerät, so wie es das iPhone ist. Wann endlich werden die Netzwerke, die der Computer schafft, physisch sichtbar? So wie das Bauhaus es geschafft hat, die Industrialisierung für den Menschen, nicht nur für Produkte, sinnstiftend anzuwenden, indem es beispielsweise billigen und dennoch anspruchsvollen Wohnraum schuf (die Wohnsilos aus den 60er und 70ern darf man an dieser Stelle ruhig als Vergewaltigung der Idee ansehen).
